Ich war kein Alkoholiker. Dachte ich.
Warum viele Menschen sich jahrelang mit den falschen Personen vergleichen.
Lange Zeit war ich überzeugt, kein Alkoholiker zu sein.
Und ich hatte viele Beweise dafür.
Ich hatte einen Job.
Ich hatte Verantwortung.
Ich funktionierte.
Vor allem aber kannte ich Menschen, die deutlich mehr tranken als ich.
Solange ich jemanden fand, der schlimmer dran war, fühlte ich mich sicher.
• Der trinkt jeden Tag.
• Der braucht morgens schon Alkohol.
• Der hat seinen Job verloren.
• Der hat seine Familie verloren.
• So bin ich nicht.
Rückblickend war genau das mein Fehler.
Ich habe mich immer mit Menschen verglichen, die weiter unten auf der Leiter standen.
Nie mit denen, die überhaupt keinen Alkohol brauchten.
Nie mit denen, die problemlos Nein sagen konnten.
Nie mit denen, die sich keine Gedanken darüber machten, wann sie wieder trinken würden.
Stattdessen suchte ich nach Beweisen, dass mein eigenes Verhalten normal war.
Und natürlich fand ich sie.
Denn es gibt fast immer jemanden, der mehr trinkt.
Fast immer jemanden, der größere Probleme hat.
Das machte meinen eigenen Alkoholkonsum aber nicht gesünder.
Es machte ihn nur leichter zu rechtfertigen.
Heute glaube ich, dass viele Menschen die falsche Frage stellen.
"Bin ich Alkoholiker?"
Die ehrlichere Frage wäre vielleicht:
Welche Rolle spielt Alkohol in meinem Leben?
Denn Alkoholprobleme entstehen nicht erst dann, wenn alles zusammenbricht.
Oft beginnen sie viel früher.
Wenn Alkohol zur Belohnung wird.
Wenn Alkohol zur Gewohnheit wird.
Wenn Alkohol zur Lösung für Stress, Angst oder Einsamkeit wird.
Wenn man anfängt, ihn zu verteidigen.
Ich habe lange geglaubt, dass ich kein Alkoholiker bin.
Heute denke ich, dass mich genau dieser Gedanke jahrelang aufgehalten hat.
Denn er hat mich davon abgehalten, die wichtigste Frage zu stellen: Warum brauche ich Alkohol überhaupt?
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